Veranlagung zum Übergewicht

  
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Übergewicht hängt zwar eindeutig von der Essmenge und der Bewegungsaktivität ab, wie wir gesehen haben, aber auch von zahlreichen anderen Faktoren, wie Hormone, Stress oder Schlafdauer ab.

Ein wesentlicher Faktor für die Neigung zu Übergewicht ist auch die angeborene Veranlagung.

In mehrerer Hinsicht erbt man von seinen Eltern die Veranlagung, ob man zu Übergewicht neigt oder nicht.

Dass es die Vererbung ist und nicht etwa die Ernährung in der Kindheit und das Vorbild der Eltern, hat man unter anderem dadurch herausgefunden, dass die Figur von Pflege- und Adoptivkindern eher der ihrer leiblichen Eltern ähnelt als der ihrer Pflegeeltern.

Körperbautypen

Wenn man sich die Menschen anschaut und auf ihren Körperbau achtet, werden schnell erhebliche Unterschiede deutlich.

Die Menschen sind nicht nur unterschiedlich groß, sondern haben auch einen unterschiedlich breiten Körperbau.

Es gibt zierliche Menschen mit einem Knochenbau, der an zarte Vögelchen erinnert, lange, schlanke Menschen zu denen die Bezeichnung Bohnenstange durchaus passt oder untersetzte Menschen, deren schwere Knochen breit und bullig wirken.

Die schmalen Menschen können häufig so viel essen wie sie wollen, ohne je zuzunehmen. Die breiten Menschen neigen zum Fettansatz, selbst wenn sie nur wenig essen.

Diese Unterschiede treten in allen denkbaren Abstufungen auf. Die meisten Menschen finden sich etwa in der Mitte wieder.

Nur wenige Menschen sind extrem schmalgliedrig oder extrem untersetzt. Bei vielen ist jedoch eine mehr oder weniger ausgeprägte Tendenz zu beobachten.

Die Unterschiede im grundsätzlichen Körperbau wurden schon in der Antike beobachtet.

Heute noch bekannte Bezeichnungen erhielten die Körperbautypen vom Psychiater Ernst Kretschmer Anfang des 20. Jahrhunderts.

Er unterschied zwischen:

·         schmalgliedrigen, schlanken Leptosomen

·         muskulösen, mitteldicken Athletikern

·         untersetzten, zu Fettansatz neigenden Pyknikern

 

Inzwischen gibt es weitere Typisierungen, die aber letztlich immer zwischen schmalen und breiten Menschen unterscheiden.

Das momentane Schönheitsideal favorisiert vor allem den hochgewachsenen leptosomen Typ mit langen, schmalen Gliedmaßen. Von Models wird erwartet, dass sie so geformt sind.

Bei Männern werden auch kräftige Athletiker als schön empfunden, bei Frauen sollten als Athletiker veranlagte Frauen möglichst schlank bleiben, um als schön wahrgenommen zu werden.

Pyknisch veranlagte Menschen haben beim aktuellen westlichen Schönheitsideal kaum Chancen als wohlgeformt betrachtet zu werden. Selbst wenn sie sich knochig dünn hungern, werden sie nie so schmalgliedrig werden, wie es von Models erwartet wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass pyknisch veranlagte Menschen dazu verdammt sind, dick zu werden. Auch Pykniker können schlank sein und bleiben, aber ihre Schlankheit ist etwas breiter als die der Leptosomen.

Außerdem ist es für Pykniker mühsamer, eine schlanke Figur zu erlangen. Sie fühlen sich körperlich oft wohler und leistungsfähiger, wenn sie etwas mollig sind. Daher spricht einiges dafür, die eigene Veranlagung zu akzeptieren und das Beste für das eigene Wohlbefinden daraus zu machen.

Gute und schlechte Futterverwerter

Dass es gute und schlechte Futterverwerter gibt, war schon unseren Großeltern bekannt.

Doch in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden diese Unterschiede von Ernährungsexperten vehement verleugnet.

Inzwischen ist es aber unbestritten, dass manche Menschen bei gleicher Nahrungszufuhr und Bewegungsintensität zu- und andere abnehmen.

Dass Maß der Futterverwertung ist teilweise angeboren und teilweise erworben. Außerdem tragen verschiedene Faktoren dazu bei.

Ein wichtiger Faktor für die Futterverwertung ist der Grundumsatz, also der Kalorienverbrauch ohne Bewegung.

Er ist teilweise angeboren und hängt teilweise von der aktuellen Muskelmasse, der Diätvergangenheit, den Schilddrüsenhormonen und diversen anderen Faktoren ab.

Wichtig ist auch das Ausmaß, mit dem die gegessene Nahrung verwertet wird.

Im Kapitel "Ungünstige Darmbakterien" (ab Seite 54) wird beschrieben, wie die Darmbakterien dafür sorgen können, dass die Nahrung besonders gut verwertet wird. Sogar Ballaststoffe können von manchen Menschen in kalorienreiche Kohlenhydrate verwandelt werden.

Aber auch schon viel harmloser erscheinende Phänomene erhöhen die Verwertung der Nahrungsmittel im Körper.

Auf Nahrungsmittel, die man häufig isst, stellt sich der Körper ein und kann sie optimal aufschlüsseln und ihre Nährstoffe nutzen.

Eigentlich ist das eine sehr nützliche Fähigkeit des Körpers, aber wenn man abnehmen will, ist es eher unpraktisch.

Gegen die Lernfähigkeit des Körpers bei bekannten Nahrungsmitteln hilft es, wenn man sehr abwechslungsreich isst. Wenn man dem Körper immer wieder etwas Neues bietet, muss er sich ständig auf neue Nahrungsmittel einstellen und verwertet sie nicht optimal.

Dieser Aspekt trägt auch zum kurzfristigen Funktionieren vieler Diäten bei. Sofern man sich im Rahmen der Diät anders ernährt als sonst, nimmt man zügig ab. Daher funktioniert beispielsweise die Kohlsuppendiät gut bei Menschen, die sonst nie Kohlsuppe essen. Bei Menschen, die sowieso regelmäßige Gemüsesuppen mit Kohl essen, funktioniert diese Diät kaum. Allerdings wirkt dieser Effekt immer nur kurzfristig, bis man sich an die Nahrungsmittel der Diät gewöhnt hat.

Eine nachhaltige Wirkung hat der Abwechslungseffekt nur, wenn man seine Ernährung immer wieder durch neue oder andere Speisen umstellt.

Da aber jeder mehr oder weniger ausgeprägte Ernährungsvorlieben hat, kann der Abwechslungseffekt in der Praxis nur teilweise genutzt werden. Es bringt aber auch schon etwas, wenn man ein wenig mehr Abwechslung in seinen Speiseplan bringt.

Möglicherweise bringen die Lebensjahre auch einen gewissen Lerneffekt des Körpers, was die Ausnutzung der Nahrung angeht. Das wäre ein zusätzlicher Erklärungsansatz, warum viele Menschen ab dem mittleren Lebensalter Schwierigkeiten haben, ihr Gewicht zu halten. In diesen Bereichen muss jedoch noch viel geforscht werden, um eindeutige Erkenntnisse zu gewinnen.

Angeborene Gelüste?

Nicht nur rein körperliche Aspekte in Hinblick auf Fettansatz und Nahrungsverwertung sind angeboren, sondern vermutlich auch der Appetit.

Manche Menschen haben insgesamt mehr Appetit und Freude am Essen.

Andere haben vor allem Appetit auf spezielle Nahrungsmittel. Hier kann man insbesondere Menschen unterscheiden, die ganz verrückt auf Süßigkeiten sind und andere, denen Süßigkeiten weitgehend egal sind.

Es gibt aber auch Vorlieben für deftige Nahrung, fettige Nahrung, scharfe Nahrung und auch für Salat oder Obst.

Möglicherweise treten ein großer Appetit und die Neigung zum Fettansatz häufig gemeinsam auf oder auch ein geringer Appetit und die Neigung zu einer schlanken Figur. Zumindest entsteht leicht dieser Eindruck, wenn man dicke und dünne Menschen und ihre Essgewohnheiten betrachtet.

Es gibt aber auch übergewichtige Menschen, die schon immer sehr wenig essen und schlanke Menschen, die mit Leidenschaft große Nahrungsmengen vertilgen. Diese Menschen müssen dann oft als Beispiele herhalten, dass es mit dem Thema Essen und Übergewicht nicht so eindeutig ist, wie es zunächst scheinen mag.

Außerdem gibt es pyknisch veranlagte Menschen, die dank geringem Appetit ihr Gewicht halten können und leptosom veranlagte Menschen, die aufgrund ihres großen Appetits ein paar kleine Fettpolster haben. Diese Menschen fallen meistens nicht weiter auf, sodass sie bei der allgemeinen Vorstellung über die Auswirkungen von Veranlagung und Appetit auf das Körpergewicht keine wesentliche Rolle spielen.

Einige Studien haben herausgefunden, dass übergewichtige Menschen im Durchschnitt weniger Kalorien zu sich nehmen als schlanke Menschen. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass der Stoffwechsel vieler Übergewichtiger durch zahlreiche Diäten deutlich abgesenkt wurde.

Über den Appetit sollte man übrigens wissen, dass er kaum vom Bewusstsein gesteuert werden kann (siehe Seite 67). Es ist also keine Sache eines starken Willens, ob man wenig oder viel isst.

Erworbene Gelüste

Nicht alle Gelüste sind angeboren. Viele Geschmacksvorlieben werden im Laufe des Lebens erworben.

Das fängt schon mit der Flaschennahrung an. Säuglinge, die mit Flaschenmilch aufgezogen werden, haben häufig für den Rest ihres Lebens eine Vorliebe für Süßes und Vanille-Aroma. Das liegt daran, dass die Flaschenmilch relativ süß ist und mit Vanillegeschmack gewürzt wird. Im späteren Leben wirkt sich das dann beispielsweise so aus, dass man sogar bei Ketchup die Sorten bevorzugt, denen Vanille zugesetzt wurde.

Viele Nahrungsmittelarten haben eine Vorliebe auf diese Nahrungsmittelarten zur Folge, wenn man sie in größeren Mengen zu sich nimmt. Das gilt besonders für süße Nahrung und für fette Nahrung.

Auch an den Geschmack von manchen Würzaromen gewöhnt man sich und beispielsweise auch an den Geschmacksverstärker Glutamat.

Geschmacksvorlieben gehen häufig so weit, dass sie einen gewissen Suchtcharakter haben. Das ist auch das Fatale daran, wenn man sich zu sehr an Fastfood, Süßigkeiten oder Salzsnacks gewöhnt hat. Man kommt kaum noch von ihnen los.

Bei manchen Nahrungsmittelsüchten braucht man eine Art Entzug, um wieder einen freien Appetit erleben zu können.

Besonders verbreitet ist die Süßigkeitensucht. Um von ihr loszukommen sollte man für eine Weile vollständig auf Süßigkeiten verzichten. Auch süße Getränke und Trockenobst sollte man meiden. Frisches Obst kann man auf Wunsch morgens und mittags essen, abends könnte es eventuell zu Heißhunger führen. Wenn man diesen Süßigkeitenverzicht ein bis zwei Monate durchgehalten hat, kann man ganz allmählich wieder versuchen, wie oft man Süßes essen darf, ohne rückfällig zu werden.

Gendefekte

Bei manchen Menschen besteht nicht nur eine gewisse Veranlagung zum Übergewicht, sondern ein richtiger Gendefekt. Solche Gendefekte sind jedoch extrem selten.

Die meisten Menschen, die von sich glauben, dass ihr Übergewicht mit den Genen zusammenhängt, sind nicht von einem solch schwerwiegenden Gendefekt betroffen, sondern haben schlichtweg eine Veranlagung zum Übergewicht.

Bei Gendefekt kommt es beispielsweise zu einer Fehlsteuerung im Hungerzentrum des Gehirns. Diese Menschen haben immer starken Hunger und fühlen sich nie satt. Meistens nehmen die betroffenen Menschen schon im frühen Kindesalter extrem zu. Wer erst in den Wechseljahren deutlich zunimmt, ist von einem solchen Gendefekt mit Sicherheit nicht betroffen.

Dann gibt es bei einigen Menschengruppen noch eine besonders starke Veranlagung zu Übergewicht, deren Intensität etwa zwischen einer normalen Veranlagung und einem Gendefekt liegt. Es handelt sich aber nicht um einen Defekt, sondern um eine besonders gelungene Anpassung an schwierige Bedingungen.

Die betroffenen Menschengruppen stammen meist aus Gegenden, in denen es häufig zu starken Hungersnöten kam. Manche Indianerstämme sind davon betroffen, zahlreiche Südseeinsulaner, einige afrikanische Völker und erstaunlicherweise auch eine Bevölkerungsgruppe aus Mecklenburg-Vorpommern. Bestimmt werden in den nächsten Jahren noch weitere Menschengruppen gefunden, die eine so besonders starke Anpassung auf schlechte Zeiten haben.

Wenn die Nahrung knapp ist, sind die betroffenen Menschen rank und schlank. Dank ihrer Gene können sie auch ausgeprägte Hungerzeiten recht gut überstehen.

Sobald es aber genug zu essen gibt, nehmen diese Menschen sehr stark zu. Wenn sie ihrem natürlichen Appetit folgen, werden sie meistens stark fettsüchtig und nicht nur leicht übergewichtig.

Um erfolgreich abzunehmen und schlank zu bleiben, müssen die betroffenen Menschen auf eine sehr karge Kost umsteigen und sich regelmäßig bewegen.

Bei ihnen findet sozusagen in verstärkter Form das Gleiche statt, wie bei nicht betroffenen Frauen in den Wechseljahren.

 













































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